Donnerstag 31. Mai 2018

Preis der „Diagnostik hilft“ Stiftung für Daniel Todt

Oben v. l.: Prof. Aepfelbacher, Dr. Todt, Prof. Fleischer; unten v. l.: Prof. Solbach, Prof. Gottschalk, Prof. Glatzel

Das Hepatitis-E-Virus verursacht weltweit jedes Jahr über drei Millionen Infektionen und etwa 70.000 Todesfälle. Dennoch führte es in der Forschung bislang ein Schattendasein. Daniel Todt, Nachwuchswissenschaftler in der Arbeitsgruppe Virustransmission am Institut für  Experimentelle Virologie des TWINCORE, wurde für seine herausragende Arbeit auf dem Gebiet der biomedizinischen Diagnostik – insbesondere für die Entwicklung neuer diagnostischer Verfahren zur frühzeitigen Erkennung von Krankheiten – am 31. Mai 2018 mit dem mit 5.000 Euro dotierten Nachwuchsforscherpreis der Stiftung „Diagnostik hilft“ am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf ausgezeichnet. Er hat im Rahmen seiner Doktorarbeit erforscht, weshalb Infektionen mit dem Hepatitis E-Virus in manchen Fällen nicht mit universellen antiviralen Medikamenten therapierbar sind, sodass die Patienten daran sterben. Die von ihm entwickelte Methode lässt sich klinisch nutzen, um Risikopatienten früh zu identifizieren.

„Viele Facetten des Hepatitis-E-Virus sind noch zu erforschen“, sagt Daniel Todt. Dazu gehören zum Beispiel essenzielle Schritte des Lebenszyklus und seine genetische Wandelbarkeit, die es ihm ermöglicht, schnell auf sich verändernde Einflüsse von außen zu reagieren, etwa antivirale Medikamente. Weder gibt es spezifische Medikamente gegen das Virus, noch einen in Europa oder den USA zugelassenen Impfstoff. „Zurzeit können nur universelle antivirale Mittel wie Interferone und Ribavirin zur Behandlung chronischer HEV-Infektionen verwendet werden“, so Daniel Todt.
In seiner Doktorarbeit widmete er sich der Frage, warum einige chronisch infizierte Patienten nicht auf die Ribavirin-Therapie ansprechen, andere jedoch schon. „Dies ist ein großes Problem in der Klinik, da dann keine alternativen Medikamente bereitstehen und die Patienten an Hepatitis E sterben, wenn sie in die Gruppe der Therapieversager gehören.“ Gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten der Medizinischen Hochschule Hannover und einem Team von Wissenschaftlern des Robert-Koch-Instituts Berlin sammelte er über einen langen Zeitraum Serumproben akut und chronisch infizierter Patienten und unterzog die enthaltenen Viren einer Tiefensequenzierung, bei der das Genom besonders exakt analysiert wird.
Auf diesem Weg identifizierte Daniel Todt mehrere Mutationen des HE-Virus, die mit dem Therapieversagen des Ribavirins zusammen hängen. „Über die Analyse dieser Virus-Mutationen können im klinischen Alltag frühzeitig die Infizierten identifiziert werden, bei denen das Virus nicht auf die Ribavirin-Therapie anspricht“, sagt der Forscher. Dieser Ansatz hat großes Interesse in den Fach- und Allgemeinmedien hervorgerufen. Er ist ein gelungenes Beispiel für die Überführung bestehender Technologien in ein diagnostisches Verfahren zur Früherkennung von Krankheiten - und für den schnellen Transfer von Laborergebnissen zu individualisierten medizinischen Lösungen.

Kontakt:

Dr. Daniel Todt wechselte inzwischen mit seinem Doktorvater Prof. Eike Steinmann an die Ruhr-Universität Bochum. Eike Steinmann leitet dort die Abteilung für Molekulare und Medizinische Virologie.

Daniel Todt, daniel.todt(at)ruhr-uni-bochum.deMolekulare und Medizinische VirologieMedizinische FakultätRuhr-Universität BochumTel: +49 (0)234 32 26465