Zell- und Gentherapie

Die Leber ist unser zentrales Stoffwechselorgan. Sie kontrolliert die Nährstoffe, die über den Darm ins Blut gelangen, speichert Glucose und Vitamine, baut Giftstoffe ab und ist zudem die zentrale Produktionsstätte für lebenswichtige Eiweiß- und Botenstoffe. Ist die Leber schwer erkrankt, war bislang die einzige Therapiemöglichkeit die Lebertransplantation. Die Klinische Forschergruppe "Zell- und Gentherapie" von Prof. Dr. Michael Ott sucht am TWINCORE nach Alternativen zu Organtransplantation. Ein Arbeitsschwerpunkt ist die Entwicklung von Zell- und Gentherapien für Neugeborene und Kinder mit schweren angeborenen Leberdefekten, da diese bislang ausschließlich durch eine Lebertransplantation behandelt werden konnten. Eine internationale Phase II/III klinische Studie mit adulten Leberzellen steht bereits kurz vor dem Abschluss. Die Zelltherapie ist ein Fortschritt, bewirkt jedoch derzeit noch keine Heilung, sondern nur Aufschub, bis ein geeignetes Spenderorgan gefunden ist. Hürden in der Verbreitung der Therapie sind die Bereitstellung qualitativ hochwertiger Leberzellen, die heute noch aus Spenderorganen isoliert werden müssen, die noch zu geringe therapeutische Effizienz sowie infektiologische Komplikationen durch die erforderliche Immunsuppression. Daher hat sich die Arbeitsgruppe zum Ziel gesetzt, durch genetisch korrigierte von induzierten pluripotenten Stammzellen abgeleitete patienteneigene Leberzellen zu entwickeln, die bei therapeutischer Anwendung keine Immunsuppression erfordern und daher opportunistische Infektionen vermeiden. Ein weiterer Schritt zur Verbesserung der therapeutischen Effizienz der Leberzelltherapie ist die Entwicklung klinisch relevanter Verfahren, um die Leber ausreichend mit transplantierten Zellen zu repopulieren. Weiter in die Zukunft reichen Versuchsansätze im Reagenzglas und im Tierversuch, angeborene Defekte der Leber durch eine Gentherapie zu behandeln. Dazu werden Viren so verändert, dass sie als Gentransporter eine gesunde Kopie des defekten Gens in die Zelle schleusen oder ein erkranktes Gen direkt in der Zelle reparieren.  

Ein anderer Forschungsschwerpunkt der Arbeitsgruppe führt zu chronischen Lebererkrankungen, die u.a. bei Leberinfektionen mit den Hepatitis B und C Viren auftreten. Es werden Verfahren entwickelt, durch Reprogrammierung von Myofibroblasten der Leber, die für die Narbenbildung verantwortlich sind, den Krankheitsprozess zu stoppen und umzukehren. Dieser therapeutische Ansatz würde belastende Organtransplantationen, die durch obligatorische Immunsuppression erhebliche Komplikationen mit sich bringen, vermeiden helfen. Weitere Schwerpunkte liegen in der Erforschung nicht-kodierender MikroRNAs in der Behandlung des Leberversagens und des Leberkrebses.

Mitteilungen

02. März 2016

Reinhart Koselleck-Projekt der DFG für Michael Ott

Fünf Jahre Forschungsförderung für zukunftsweisende Ideen zur Lebertransplantation - Jährlich sterben etwa 70.000 Menschen allein in Europa an Leberversagen. In den meisten Fällen sind Infektionskrankheiten - wie Hepatitis C...