Infektionsimmunologie

Impfungen sind die effektivsten Maßnahmen gegen Infektionserkrankungen - und ein großer Erfolg der medizinischen Forschung.  Obwohl es gegen viele Infektionserreger inzwischen sehr wirkungsvolle Impfstoffe gibt, sterben jedes Jahr Millionen Menschen an Atemwegsinfektionen, Durchfallerkrankungen, Tuberkulose, Malaria und AIDS: Hier fehlen bislang geeignete Impfstrategien. Besonders schwierig ist es, die komplexen Reaktionen des Immunsystems auszulösen, wenn der Impfstoff kein abgeschwächter vollständiger Krankheitserreger ist, sondern z.B. nur aus reinen Eiweißbestandteilen besteht.

 
Am Institut für Infektionsimmunologie suchen Wissenschaftler unter der Leitung von Prof. Dr. Tim Sparwasser nach neuen Strategien, um Impfstoffe zu verbessern. Die Forscher untersuchen dabei Zellen des Immunsystems, die sozusagen am Anfang und am Ende einer Immunantwort stehen.
Den Anfang machen die Dendritischen Zellen. Sie sind Teil des angeborenen Immunsystems, erkennen Erreger von Infektionskrankheiten über sogenannte Mustererkennungsmoleküle und sind Zielzellen für die Impfung. Sind sie alarmiert, ist der erste Schritt in der Abwehrkaskade getan. Wichtige Fragen, die der Arzt und Mikrobiologe und sein Team sich stellen: Welche Rolle spielen die verschiedenen und hochspezialisierten Typen von Dendritischen Zellen in den unterschiedlichen Infektionen? Welche Bedeutung haben die Mustererkennungsmoleküle als Angriffspunkte für neue therapeutische und vorbeugende Maßnahmen?
Gegenspieler der Dendritischen Zellen sind die Regulatorischen T-Zellen. Sie verhindern, dass das Immunsystem überreagiert und könnten gerade in chronischen Infektionen von Erregern ausgenutzt werden. Eine optimale Impfstrategie sollte beide Zelltypen einbeziehen. Sie würde Dendritische Zellen aktivieren und verhindern, dass Regulatorische T-Zellen die gewünschte Immunreaktion bremsen.

 
Seit Januar 2010 baut Dr. Matthias Lochner - zuvor Institut Pasteur, Paris - eine Nachwuchsgruppe auf. Er beschäftigt sich mit der "Interaktion von DCs, Th17-Zellen und Tregs in gastrointestinalen Infektionen". Matthias Lochner untersucht insbesondere Faktoren, die essentiell für die Entstehung von Lymphgewebe im Darm und für die Entwicklung von T-Zell-Subpopulationen (Th17, Tregs) sind. Diese Zellen regulieren die Immunantwort und spielen im Darm eine besondere Rolle bei Autoimmunerkrankungen und chronischen Infektionen.

 
Über sogenannte "Twinningprojekte" kooperiert das Institut für Infektionsimmunologie eng mit der Klinik (z.B. Pädiatrie, MHH) und dem HZI (z.B. Experimentelle Immunologie), um translationale Ansätze der Immuntherapie und Immundiagnostik zu ermöglichen.


Langfristiges Ziel der Forscher am Institut für Infektionsimmunologie ist es, durch neue Modellsysteme und die daraus gewonnenen Erkenntnisse, Impfstoffe sowohl effektiver als auch verträglicher zu machen.
 

Mitteilungen

24. November 2016

DFG Förderung für Forschung an Angeborenen Lymphoiden Zellen

Angeborene Lymphoide Zellen sind eine relativ neu entdeckte Zellgruppe, die an der ersten Abwehr von Erregern beteiligt ist. Diese Zellen sitzen in Darm, Haut und Lunge – genaugenommen in allen Geweben, die unseren Körper von der...


28. Oktober 2016

Jürgen-Wehland-Preis 2016 für Luciana Berod

Für ihre Forschung zur Immunmodulation erhielt Dr. Luciana Berod, Leiterin der Arbeitsgruppe Wirt-Pathogen-Interaktionen & Immunmetabolismus am Institut für Infektionsimmunologie den sechsten "Jürgen-Wehland-Preis...


18. Oktober 2016

Erforschung der Abwehrmechanismen gegen Cytomegaloviren eröffnet neue Ideen für Therapieansätze

Das Cytomegalovirus gehört zur Gruppe der Herpesviren und teilt deren zentrale Eigenschaften: eine erste Infektion mit dem Virus verläuft unauffällig und wird von den Patienten meist nicht einmal bemerkt. Es fliegt sozusagen...


21. September 2016

Erfolgreicher Vorschlag

Preisträger des Georg-Forster-Forschungspreises der Alexander von Humboldt-Stiftung kommt nach Hannover


01. Juni 2016

Gastprofessorin aus Brasilien forscht am Institut für Infektionsimmunologie

“Es ist ungewohnt, wieder im Labor zu arbeiten und ganz am Anfang eines Projektes zu stehen“, lächelt Prof. Vania Bonato. Zu Hause, im brasilianischen Riberao Preto leitet Prof.  Bonato eine Arbeitsgruppe im Department...