Infektionsepidemiologie

Infektionsepidemiologie

Das Institut für Infektionsepidemiologie untersucht Risikofaktoren, welche die Ausbreitung von Infektionskrankheiten beeinflussen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Vorbeugung von Krankheiten in der Allgemeinbevölkerung. Dazu gehört auch die Entwicklung neuer Diagnostika.
Diese Punkte untersuchen die Wissenschaftler im Rahmen von populationsbasierten Studien in Deutschland und anderen Ländern; dabei haben sie vor allem chronisch virale Erreger, respiratorische  Infektionen sowie bestimmte, durch Bakterien verursachte Infektionen im Fokus. Beispielsweise betreiben sie eine Serologie-Plattform, die zwischen geimpften Personen (Antikörperbildung aufgrund von Impfung) und denjenigen, die aufgrund einer natürlich verlaufenden Infektion Antikörper ausgebildet haben, unterscheiden kann. Im Fall des Hepatitis A-Virus ist diese serologische Differenzierung bereits gelungen. Dadurch steht für die Untersuchung von Krankheitsausbrüchen ein Diagnostikum zur Verfügung, das uns ermöglicht, z.B. in prospektiven Studien die langfristigen Auswirkungen von Impfkampagnen serologisch zu untersuchen. Langfristig wird angestrebt, diese Art einer differenzierenden Serologie auf weitere Erreger, gegen die eine Schutzimpfung zur Verfügung steht, auszudehnen.

Des Weiteren erforschen die Wissenschaftler des Instituts neue Ansätze für das Entnehmen und Sammeln von Bioproben von Patienten. Das Sammeln qualitativ hochwertiger Bioproben für die epidemiologische Forschung stellt große bevölkerungsbasierte Kohortenstudien vor enorme Herausforderungen. Hierzu gehört neben Kosten und Teilnehmerrekrutierung nicht zuletzt die Garantie, dass die Proben auch den Anforderungen von Quantität und Qualität entsprechen.
Dabei ist entscheidend, dass für Probleme, die  präanalytisch aus Transportdauer und  Transportbedingungen (z.B. keine Kühlung) in bevölkerungsbasierten Studien resultieren,  innovative und kostengünstige Lösungen gefunden werden.
Am Institut für Infektionsepidemiologie werden neue Verfahren entwickelt und validiert, die durch Probanden / Probandinnen selbst angewandt werden können. Bei Anwendungen im medizinischen Umfeld durch Patienten / Patientinnen soll dies eine hohe Probenqualität unabhängig von der Entfernung zu medizinischen Einrichtungen sicherstellen. Das würde ermöglichen, diese Verfahren auch in strukturschwachen Gebieten, wie z.B. in bestimmten Regionen Afrikas, anzuwenden.
Dadurch werden Forschungsaktivitäten möglich, die bisher aufgrund technischer oder verfahrenstechnischer Hürden nicht zu bewältigen waren und es werden die Weichen für die Verbesserung der Patientenbetreuung gestellt.

Was ist Infektionsepidemiologie?

Die Infektionsepidemiologie erforscht das Verhalten übertragbarer Krankheiten auf der Bevölkerungsebene:  Wer wird krank? Wer bleibt gesund? Welche Faktoren beeinflussen, ob und wie sich eine Infektionskrankheit ausbreitet? Welche anderen Krankheiten werden von Infektionen beeinflusst oder sogar ausgelöst? Über systematische Befragungen, klinische Untersuchungen, labordiagnostische Nachweise bei gesunden wie auch erkrankten Personen sowie statistische Analysen der gesammelten Daten, identifizieren Infektionsepidemiologen Ursachen und Risikofaktoren für Infektionen.

Damit trägt die Infektionsepidemiologie zur Entwicklung von Präventionsmaßnahmen, ebenso wie zur Früherkennung und Therapie von Erkrankungen bei. Zudem überprüft sie die Wirksamkeit solcher Maßnahmen. Damit ist die Epidemiologie ein weiteres Bindeglied zwischen Grundlagenforschung und Medizin und ergänzt die translationalen Aktivitäten am TWINCORE.

Ein Brückeninstitut zwischen TWINCORE und HZI

Das Institut für Infektionsepidemiologie ist aus der Abteilung Epidemiologie des HZI hervorgegangen.  Durch die sehr enge Liaison zwischen den beiden Einheiten ist das TWINCORE direkt mit den folgenden strategisch wichtigen epidemiologischen Infrastruktureinrichtungen verlinkt:
Das Studienzentrum der NAKO-Gesundheitsstudie, angesiedelt im Gebäude des Clinical Research Centre Hannover und in unmittelbarer Nachbarschaft zum TWINCORE, bietet eine einmalige Möglichkeit, im TWINCORE generierte Forschungsergebnisse in einer großangelegten Kohortenstudie (mit 10.000 erwachsenen Teilnehmern in Hannover und 200.000 in ganz Deutschland) zu verifizieren und anzuwenden.
Die Translationale Infrastruktur Epidemiologie (TI EPI) innerhalb des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) fördert und unterstützt die translationale Forschung, insbesondere auch die Entwicklung von Diagnostika, wie sie vom Institut für Infektionsepidemiologie betrieben wird. Hierdurch wird auch ein funktionaler Link zwischen TWINCORE und dem DZIF geschaffen.