Arbeitsgruppe Biomarker für Infektionskrankheiten

Ein klassisches Szenario: Ein fiebriger, kranker Mensch geht zum Arzt und verlässt die Praxis mit einer Krankschreibung und einem Rezept für Antibiotika. Seinem Patienten kann der Arzt, auch nach langjähriger Erfahrung, oft nicht ansehen, wie die Krankheit verlaufen wird und was für ein Erreger ihr zugrunde liegt. Um die Diagnose zu sichern, müsste er den Erreger untersuchen - das ist aber in der Arztpraxis in der Regel nicht möglich und dauert lange. Also sieht sich der Mediziner oft gezwungen, eine Behandlung mit Antibiotika anzuwenden, um etwaige Komplikationen zu verhindern. Häufig ist der Einsatz von Antibiotika jedoch gar nicht nötig - entweder weil die Krankheit nicht schwer verlaufen wird oder weil die Krankheitsauslöser keine Bakterien sind, sondern Viren, die auf Antibiotika nicht ansprechen. Die Wissenschaftler der Forschergruppe Biomarker für Infektionskrankheiten arbeiten an einem Ausweg aus diesem Dilemma: Sie suchen nach Molekülen, die charakteristisch für eine Krankheit sind und vom Arzt einfach in Blut, Urin oder anderen Körperflüssigkeiten nachgewiesen werden können. Sie sollen eine frühzeitige Diagnose und Vorhersage über den Krankheitsverlauf erlauben. Mit diesen sogenannten Biomarkern ließen sich Antibiotikaverschreibungen auf die Zielgruppe beschränken, die sie tatsächlich benötigt.

Frank Pessler und seine Mitarbeiter untersuchen zwei Typen von Biomarkern: einerseits dynamische Biomarker, die mit zunehmend schwerem Verlauf der Krankheit in den Körperflüssigkeiten ansteigen. Andererseits suchen sie nach statischen Markern, die Hinweise auf die genetische Anfälligkeit des Patienten für bestimmte Infektionskrankheiten und den zu erwartenden Verlauf bei diesem speziellen Menschen liefern. Ihr Ziel ist, über Biomarker eine zuverlässige Risikoabschätzung für Patienten zu entwickeln mit der sich sowohl die Art der Erkrankung als auch ihr Schweregrad abschätzen lässt.

Die Forscher suchen dort nach Biomarkern, wo sie auch später die Diagnose des Arztes unterstützen werden: in kranken Patienten. Die Proben, die den Wissenschaftlern für die Biomarker-Forschung zur Verfügung stehen, stammen unter anderem aus klinischen Studien, die der Partner GlaxoSmithKline mit einem neuen Antibiotikum durchführt. Nach dieser "Erstverwertung" werden die Proben dann im Rahmen des Projektes COMBACTE (Combating Bacterial Resistance in Europe) wissenschaftlich weiter genutzt. Diese Generierung von wissenschaftlichem Mehrwert aus einer klinischen Studie fördert ein Forschungsprogramm der "Innovative Medicine Initiative - IMI". IMI ist eine gemeinsame Initiative der Europäischen Union und der pharmazeutischen Industrie, die im Rahmen des Projektes die Biomarkerforschung unterstützt.

Mitteilungen

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