Experimentelle Infektionsforschung

Greift uns ein Virus an, reagiert das Immunsystem innerhalb weniger Stunden. Hochspezialisierte Immunzellen erkennen die Krankheitserreger und schütten hocheffiziente Botenstoffe aus, die das Immunsystem aktivieren. Unter diesen Botenstoffen befinden sich die Interferone, die dafür sorgen, dass einzelne Wirtszellen weniger leicht infiziert werden. Gleichzeitig können Interferone auch den Verlauf der Immunreaktion und das Gedächtnis des Immunsystems beeinflussen. Ohne diese Botenstoffe verlaufen Virusinfektionen - die wir normalerweise fast unbemerkt überwinden -  innerhalb weniger Tage tödlich.

Wie genau diese Mechanismen funktionieren, ist jedoch noch unklar. Ebenso ist unklar, wie verschiedene Erreger die Ausschüttung von Interferonen oder deren Wirkung verhindern, so dass wir dennoch erkranken. Und wie schützt sich das zentrale Nervensystem vor Virusinfektionen? Diese Themen sind ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit von Prof. Dr. Ulrich Kalinke an seinem "Institut für Experimentelle Infektionsforschung".

Trotz vieler offener Fragen werden Interferone bereits seit vielen Jahren als Medikamente eingesetzt: Interferon-alpha ist in Kombination mit Ribavirin® die bislang einzig wirksame Therapie gegen chronische Hepatitis C Virus Infektionen. Interferon-beta spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung der Multiplen Sklerose, einer chronisch-entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems. Weiterhin werden mit Interferonen bestimmte Tumorerkrankungen therapiert. Weshalb Interferone die Verläufe so unterschiedlicher Erkrankungen positiv beeinflussen, steht ebenfalls im Fokus von Ulrich Kalinkes Forschung.

Um diese weitreichenden Fragen beantworten zu können, arbeiten die Forscher des TWINCORE in zahlreichen Twinningprojekten mit Partnern des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung und der Medizinischen Hochschule Hannover zusammen. 

 

 

Mitteilungen

16. Januar 2017

Wirkmechanismus eines neuartigen RNA-Impfverstärkers aufgeklärt – Erfolgreiche Kooperation mit CureVac AG

Damit Impfstoffe ihre Wirkung voll entfalten und sich langfristig in das Immunsystem einbrennen können, benötigen sie in den meisten Fällen Unterstützung – das gilt vor allem für solche Impfstoffe, die nur aus kleinen...


06. Juni 2016

Ursache für erhöhte Infektionsanfälligkeit bei Rheuma geklärt

Unter chronisch-rheumatisch-entzündlichen Erkrankungen leiden in Deutschland mehr als eine Million Menschen. Als wäre diese Erkrankung allein nicht schon Belastung genug, wird sie meist von einer erhöhten Infektanfälligkeit...


13. April 2016

Zytomegalie Forschung mit menschlichen Zellen - dem Versteck von HCMV auf der Spur

Zytomegalie, die Infektion mit dem Humanen Cytomegalievirus (HCMV), ist bei gesunden Erwachsenen im Normalfall eine leichte Infektionskrankheit, die meistens nicht einmal von den Betroffenen bemerkt wird. Um dem Immunsystem aus...


03. März 2015

Riechkolben als Außenstelle des Immunsystems - das Riechhirn wehrt eigenständig Viren ab

Unser Gehirn ist einer der am besten geschützten Bereiche unseres Körpers. Unter anderem sorgt die Blut-Hirn-Schranke dafür, dass nur ausgewählte Stoffe aus unserem Blutkreislauf in das zentrale Nervensystem übergehen können und...


09. Februar 2015

Ein direkter Blick in die "Schaltzentrale" des Immunsystems

Unser Immunsystem verfolgt unterschiedliche Strategien, mit denen es Eindringlinge erkennt und andere Zellen über die Gefahr informiert. Alle diese Wege führen über einen gemeinsamen Knotenpunkt in den Immunzellen: das Protein...