Donnerstag 01. Juni 2017

Neues internationales Forschungsprojekt zu Antibiotikaresistenzen am TWINCORE

Infektionen durch multirestente Bakterien sind ein stetig wachsendes Problem im klinischen Alltag. Die Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze oder Wirkstoffe gegen diese Keime erfordert gebündelte wissenschaftliche Kompetenz – um diese zusammen zu führen, haben sich europäische Organisationen zur Joint Programming Initiative on Antimicrobial Resistance (JPIAMR) zusammengeschlossen. Das Konsortium fördert multinationale Forschungsvorhaben. In dem kürzlich bewilligten Projekt „Mechanisms for acquisition and transmission of successful antibiotic resistant pneumococcal clones pre- and post-vaccination“ (PNEUMOSPREAD) untersuchen Wissenschaftler des Instituts für Infektionsimmunologie am TWINCORE gemeinsam mit Forschern des schwedischen Karolinska Instituts, der britischen University of Liverpool und dem Royal Institute of Technology den Erreger Streptococcus pneumoniae.

S. pneumoniae ist ein weltweit verbreiteter Erreger, der den menschlichen Nasenrachenraum besiedelt und Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege hervorruft. Darüber hinaus kann S. pneumoniae schwerwiegende invasive Erkrankungen verursachen. Es gilt als Hauptverursacher ambulant erworbener Atemwegsinfektionen und durch S. pneumoniae verursachte Lungenentzündungen sind die häufigste Todesursache bei Kindern unter fünf Jahren. Penicillin ist in den meisten Fällen ein effektives Antibiotikum; jedoch lässt seine Wirksamkeit durch zunehmende Resistenzen nach. „Sehr besorgniserregend sind dabei die durch horizontalen Gentransfer zwischen den verschiedenen Stämmen sowie durch Mutationsereignisse hervorgerufenen Modifikationen der penicillin-bindenden Proteine“, sagt Institutsleiter Prof. Tim Sparwasser. Die Folge: Die Zahl multiresistenter Klone nimmt zu. „Im Rahmen des internationalen Forschungsverbundes untersuchen wir die Eigenschaften, die die Ausbreitung und Kolonisation dieser resistenten Stämme ermöglichen und letztlich im Wirt eine Erkrankung verursachen.“ Die Wissenschaftler des Konsortiums analysieren dabei nicht nur penicillin-resistente sondern auch multi-resistente S. pneumoniae-Klone. „Unsere Ergebnisse können später durchaus auf andere Bakterien und ihre Resistenzmechanismen übertragbar sein. Wir sind überzeugt, dass unsere Forschungsarbeiten zu verbesserten Behandlungs- und Präventionsstrategien führen werden“, sagt Tim Sparwasser.

Das Projekt ist in einzelne Pakete unterteilt und die Wissenschaftler am TWINCORE fokussieren in den nächsten drei Jahren vor allem auf die Immunantwort des Wirtes während der Selektion und Transmission antibiotika-resistenter Pneumokokken-Klone. Das Projekt am TWINCORE wird mit einem Fördervolumen von 350.000 Euro finanziert.